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Freiwilligendienst als Auszeit für “Schulmüde”?

Jugendliche, die in der 8., 9. oder 10. Klasse einen “Durchhänger” in der Schule haben, kennt wohl jede/r. Doch was kann man ihnen anbieten, wenn die pädagogischen Möglichkeiten der Schule ausgereizt sind – ausser Durchhalteparolen und Nachhilfe? Eine Mitarbeiterin des Diakonischen Werks Württemberg hatte da eine Idee…Was, wenn schulisches Lernen und seine Verlängerung in den Alltag in Form von Nachhilfe alles nur noch schlimmer machen? Manche Jugendliche sind zu diesem Zeitpunkt im Leben einfach mit vielen anderen Dingen beschäftigt. Bei manchen wird Schule zu einer richtigen Belastung. Wenn sich die Probleme dann zuspitzen, entweder in Form von Disziplin- oder Leistungsproblemen, bleibt oft nur der Schulwechsel oder gar der Schulabbruch.

Dabei bräuchten die Jugendlichen vielleicht einfach nur eine Auszeit von schulischem Lernen, eine andere Umgebung, in der sie sich und die Welt um sich herum anders kennen und neu einschätzen lernen. Das ist die Kernidee eines Freiwilligendienstes, den sich eben diese Mitarbeiterin des DW ausgedacht hat: warum das Freiwillige Soziale Jahr nur denjenigen anbieten, die die Schule bereits abgeschlossen haben? Vielleicht ist die Arbeit im Sozialen Bereich genau das Moratorium, das Mädchen und Jungen mit einer akuten Schulkrise brauchen? Und am besten mit Rückfahrkarte für den Fall, dass sie mit gebührendem Abstand wieder Lust auf schulisches Lernen bekommen, ohne frustrierende Umwege da anknüpfen können, wo ihnen der Abbruch ihrer Bildungskarriere oder gar der Rauswurf drohte.

Im Jahr 2015 startete das “FSJ auszeit” getaufte Projekt, unterstützt mit Mitteln der Lechler-Stiftung und der Evangelischen Schulstiftung, mit 10 Plätzen. Zeitgleich wurde das Institut IRIS e.V. in Tübingen mit der Evaluation der Pilotphase beauftragt um herauszufinden, welche Motive die “Auszeitler*innen” mit in ihren Dienst bringen, welche Kompetenzen sie in ihrer Dienstzeit entwickeln und ob und wie ihnen der Wiedereinstieg in eine Bildungs- oder Ausbildungskarriere gelingt.

Drei Jahrgänge haben das FSJ mittlerweile durchlaufen und konnten zu drei Zeitpunkten nach ihren Erfahrungen befragt werden. Jetzt liegt der Abschlussbericht der Evaluation vor. Darin zeigt sich, dass es einer Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler gelingt, erfolgreich wieder in eine Schul- oder Berufsausbildung einzusteigen. Die Erfahrungen mit dem Freiwilligendienst führen bei fast allen zu immensen Kompetenzgewinnen und meist auch zur Auflösung der negativen Auswirkungen auf das Selbstbild, die eine Schulkarriere mit sich brachte, die kurz vor dem Scheitern stand. Einige der Befragten berichten von grossen Selbstwirksamkeitserfahrungen, weil sie an ihren Einsatzstellen gefordert waren, ihre Frau oder ihren Mann zu stehen, gleichzeitig aber eine Erfahrung gemacht haben, dass sie gebraucht und für voll genommen werden. Für manche etwas, was sie in ihrer Schulzeit sehr vermisst hatten.

Der Bericht mit den Ergebnissen der Evaluation ist als PDF herunterladbar vom Datenspeicher Zenodo: DOI

Zu zitieren ist der Bericht wie folgt:

Riedlinger, Isabelle, & Pohl, Axel. (2018). FSJ auszeit – ein Projekt des Diakonischen Werk Württembergs. Abschlussbericht der Evaluation 2015-2017. Hrsgg. vom Diakonischen Werk Württemberg. Stuttgart. DOI: 10.5281/zenodo.1421923

Weitere Information zum Projekt auf der Website von IRIS e.V.